Good Morning Dornröschen! Goodbye Deutschland!
abgelegt unter: vive!autoren
Tags: Daniela Kögler, Good Morning Dornröschen, Leben, Menschsein.
Wir leben in einer verglasten Welt. Manchmal putzen wir die Scheiben, damit wir wieder einen offeneren Blick bekommen. Doch schon nach wenigen Wochen setzt sich der Alltag erneut fest. Oftmals bekleben wir diese Scheiben sogar und beschweren uns danach, dass wir nicht mehr sehen können, was sich dahinter abspielt und geben anderen die Schuld. Denn mit der Zeit entwickeln wir sehr eingeschränkte Sichtweisen. Wir gehen auf den uns bekannten Wegen, und weil es da nach einiger Zeit nicht mehr viel zu entdecken gibt, regen wir uns über Kleinigkeiten auf. Lächerliche Dinge, die uns eigentlich nicht tangieren sollten.
Der ‘Trott’ beginnt eigentlich schon morgens in der Früh auf dem Weg zur Arbeit. Nein bereits vorher. Der Wecker klingelt und ich bleibe liegen. Es gab Zeiten, da bin ich euphorisch aus der Bettdecke hervorgesprungen und fröhlich singend in den Tag gestartet. Jetzt liege ich im dunklen und Träume der letzten Nacht kreisen in meinem Kopf. Dabei ging es um die Arbeit, um steigende Benzinpreise und um die Frage, auf welcher Seite mein Brötchen heute fallen wird… *gäähn*
Good Morning Dornröschen
Dies ist ein modernes Märchen! Es beginnt nicht mit: "Es war einmal…" und endet nicht mit: "…und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende". Lustig, skurril, direkt – dramatisch!weiter lesen »
Ich reibe mir die Augen und denke mir: Good Morning Alltag! Good Morning Regenwetter! Und Good Morning laute-Kaffeemaschine-vom-Nachbarn!
Mühsam quäle ich mich aus dem Bett. Beim Blick in den Spiegel sehe ich den roten Pickel an meinem Kinn. Vor zwei Wochen war der doch noch neben der Nase. Skeptisch schaue ich drein. Ich fühle mich ein wenig alt. Nach grauen Haaren werde ich später suchen. Morgens sehe ich noch nicht so gut.
Aber nicht nur das. Ich sehe jeden Tag die gleichen Menschen, die gleichen Läden, die gleichen störenden Dinge im Alltag. ‘So ist das nun mal?! Das ist doch bei jedem gleich. Nimm dir mal Urlaub, danach sieht die Welt anders aus. Du kannst doch alles.’
Diese Tipps lassen mich mit der Zeit aggressiv werden. Denn sie verdecken Störfelder nur oberflächlich. Wenn ich einen Typen z.B. nicht riechen kann, kann ich ihm zwar ein gutes Parfüm kaufen, aber das ändert nichts an dem Faktum, dass er einfach nicht gut riecht!
Versteht das denn keiner? Genauso ist das im alltäglichen Leben. Gejammer, Gejammer und nochmals Gejammer. Wie mich das aufregt! Nicht mal nur das Gejammer meiner Mitmenschen. Sondern auch mein eigenes. Wir jammern über alles Mögliche. Aber im Endeffekt bejammern wir uns nur selbst.
Wir Menschen auf der ganzen Welt können soviel voneinander lernen. Und das sollten wir auch. Und – weil der Berg eben selten zum Propheten kommt, wird sich wohl der Prophet auf zum Berg machen müssen.
Sie spricht wieder mal in Rätseln?! Na dann, wer aufgepasst hat kann sich denken, was Sache ist. Ich werde mein altes Leben verlassen. Das Land, die Sprache, meine Aufgaben, meine Gewohnheiten und die Kultur. Ich werde dorthin gehen, wo es mich am meisten fasziniert. China! Ein faszinierendes Land. Die Einwohner stehen konträrer zu uns, als es nur sein könnte. Uns sind die Chinesen suspekt, weil sie ganz andere Werte haben. Ich möchte mir gerne mein eigenes Bild machen. Ich möchte diese Kultur selbst kennenlernen und hinter die Kulissen blicken.
Meine Stirn runzelt sich und ich werde ein wenig nachdenklich. Da habe ich ein Buch geschrieben, das aufrütteln soll und auffordert aus dem Alltag auszubrechen und dann war ich keinen Deut besser. Ich fühle mich wie eine Jungfrau, die bei ‘Sex and the City’ groß am Mitquatschen ist und Tipps über Sex geben will. Good Morning Dornröschen – also nur von einer modernen Märchentante geschrieben????
Seit dem Entschluss, nun selbst mein Buch ‘in die Tat umzusetzen’, fühle ich mich gleich ein wenig freier und innerlich ruhig und entspannt. Beijing! Die ‘verbotene Stadt’. Wieso nur China? Die Chinesen sind doch komisch, oder? Wie oft ich mir das schon gedacht habe in letzter Zeit. Denn ich habe begonnen, mich auf diese Kultur einzulassen und mich mit ihr zu beschäftigen. Gut, ich werde meine Herkunft schon anhand meines Aussehens nicht leugnen können. Aber das möchte ich auch gar nicht. Ich möchte einen Austausch zwischen Deutschland und China. Und da wir wissen, dass sich die Chinesen gerne technische Dinge abschauen, können wir uns im Gegenzug etwas von der chinesischen Mentalität abgucken.
‘Ich kann mit Stäbchen essen!’
Wer denkt, dass das schon die halbe Miete wäre, der irrt gewaltig! Denn das Essverhalten dort hat mehr Facetten als wir vermuten. Hier ein paar Beispiele:
- Stäbchen niemals in den Reis stecken.
- Niemals mit den Stäbchen gestikulieren oder deuten
- Nicht mit den Stäbchen an die Schale trommeln. Das machen da nur Bettler.
- Niemals den Fisch umdrehen, um an das restliche Fleisch zu kommen (dann wird nämlich das nächste ankommende Schiff untergehen.)
- Niemals alles aufessen.
Schon alleine die Essgewohnheiten lassen erkennen, dass ich mich hier auf eine komplett andere Welt gefasst machen muss. Und ich hoffe, dass ich nicht schuld an irgendwelchen Schiffbrüchen sein werde.
Doch genau diese, für uns unbekannte und konträre Lebensweise ist es, die mich so fesselt. Ich möchte diese Menschen gerne näher kennenlernen und von ihnen lernen. Man muss sich nicht nur seinen näheren Mitmenschen, sondern auch fernen Kulturen öffnen, um sie besser verstehen zu können. Damit wir sie nicht nur als wild umherknipsende Touristen im Gedächtnis haben. Denn im Endeffekt wissen die meisten von uns nichts über China! Ich auch nicht. Wir haben ja auch nicht genug Zeit um uns damit zu beschäftigen. Daher werde ich meine Erfahrungen mit euch teilen. Meine ersten Erlebnisse. Meine ersten Ängste, Hoffnungen und Freuden. Wie das funktionieren soll? VOX – „Goodbye Deutschland“ wird von Beginn an dabei sein.
Ich freue mich auf alle, die mich auf meine Reise begleiten und daran teilhaben werden.
Auch das macht das moderne Dornröschen aus. Sie wartet nicht 100 Jahre im Schloss auf ihren Prinzen. Nein, sie geht raus in die Welt und der Prinz kann sie suchen gehen.
Tja, die Männer hatten es früher in der Tat leichter.
P.S.: Und ich hätte mir heute doch die roten Schuhe in der Stadt kaufen sollen! Die Farbe ROT steht in China für: Glück, Wohlstand und Freude!
Leseprobe: Good Morning Dornröschen
Zur Autorin: Daniela Kögler
Teilen
mehr Artikel von Daniela Kögler auf dem vive!blog
- Daniela Kögler berichtet aus China [6] vom 06.09.2010
- Daniela Kögler berichtet aus China [5] vom 01.09.2010
- Daniela Kögler berichtet aus China [4] vom 24.08.2010
- Leserkommentar zu Daniela Kögler: Autsch, Wespennest !!!!!!!!! vom 23.08.2010
- Daniela Kögler berichtet aus China [3] vom 19.08.2010


[...] Hier geht´s zum Blog! [...]