Berichtreihe, wie und mit welchen Hürden der Autor das Buch geschrieben hat. [13]
abgelegt unter: vive!autoren
Tags: Bücher, Kansbar Wyderle, Leben, Lyrik, Menschsein, Zilpzalp im Weidenlaub.
Folge 13( erst Folge 12 lesen?)
Zusammenfassend hier das leicht gekürzte Exposé meines „Lebensromans“.
Ein Zilpzalp im Weidenlaub
In geplanter Unordnung sind die Formelemente des Textes montiert: Erzählte Episoden, erinnerte oder aktuelle Dialoge, überlieferte und aktuelle Briefe und Dokumente, vergangene und gegenwärtige Reflexionen. Die Passagen sind zeitverschoben gefügt, der Leser muss die Sprünge im Wiedererkennen rekonstruieren. Anstrengend ist auch der Wechsel der Perspektiven und unsicher der Grad der Verlässlichkeit des Erzählten: Monologe der Protagonisten, Aufspaltung seines Ichs in drei bis vier Ichs, die miteinander diskutieren können. Ein auktorialer Erzähler fehlt, alle behaupteten Urteile und Einschätzungen sind an den jeweiligen Sprecher oder Schreiber gebunden. Ausgespartes und Verschwiegenes muss der Leser vermuten.
Die erzählten sowie die in Materialien (Briefe, Reden, Berichte, Zeitungsartikel) vermittelten Welten scheinen widersprüchlich und sollen doch in einen geschlossenen Kosmos münden:
- Reale historische Welt der letzten zwei Jahrhundertdrittel mit politischen Fakten, sozialen Bedingungen, gesellschaftlichen Leitthemen (Weimarer Republik bis Gegenwart).
- Die realen Entwicklungsphasen eines Menschen von Kindheit bis Alter im jeweiligen Gefüge realer Mitmenschen.
- Reale Orte und Landschaften als Schauplätze.
- Fiktive Gestalten, geträumte Räume und Situationen, beschworene Märchenwelten und Dialoge mit Toten, Zeitreisen. Mythische und klassische Motive werden implantiert, eine Dreiergruppe seltsamer Wesen – Schatten, Hexen, Chinesen, Musikanten – gehört zum irrealen Personal.
Eine Form der Verflechtung scheinbar realer Welt und gelebter Träume geschieht über Bilder, über die genaue Beschreibung tatsächlich in Museen vorhandener Kunstwerke (Menschen und Landschaften), die als Folie für die Charakteristik wichtiger Personen und Situationen dienen und gelegentlich vom Protagonisten betreten und durchschritten werden können. Ausgewählte Bilder füllen ein Leporello für die Frauenbegegnungen des Protagonisten. Einige Musikinstrumente (Buchüberschriften), einige Kompositionsformen und Klangmotive begleiten das Erzählmuster.
Die äußere Gliederung des „Romans“ in drei Bücher wird durch das Strukturgitter der biographischen Zeit bestimmt. Dieser Dreiteilung entsprechen drei psychologische und praktische Lebensplateaus der Hauptprotagonisten. Freilich wird diese scheinbar klare Struktur durch die oben skizzierten Brüche konterkariert: Mitten in die Kindheit Jaspers bricht ein Dialog des alternden Ehepaares Zalp, mitten in eine zeitnahe Szene fällt der Schicksalsbericht über einen Menschen der Vergangenheit.
Zilpzalp im Weidenlaub I - Ein Lebensroman
Ein unglaublicher Lebensroman von Kansbar Wyderle. 70 Jahre eines bewegten Lebens. Teils poetisch, philosophisch, berichtend, analysierend und äußerst informativ geschrieben.weiter lesen »
Buch I umfasst etwa 25 Jahre: Kindheit und Jugend des Protagonisten bis zu einer als absolut erlebten Studentenliebe. Das Zeitraster reicht vom Dritten Reich über Flucht und Nachkriegszeit bis zur jungen Bundesrepublik.
Buch II umfasst nur fünf Jahre: Eine krisenreiche Wechselbeziehung zwischen den Hauptprotagonisten bis zu ihrem Entschluss zur Ehe. Schwerpunkte sind Sexualität, Psychologie, Krankheit, Studium, Lohnarbeit, novellenartige Liebesgeschichten mit anderen Partnern. Das Zeitraster skizziert das geteilte Deutschland bis zur Mauer.
Buch III umfasst in Blöcken 40 bis 45 Jahre: Ehe, Beruf, Familie, Karriere, Reformjahre der Bundesrepublik und der Schule, deutsche Einheit. Der Blick fällt auf Schicksale wichtiger Begleitpersonen bis zum Sterbebett. Im Zentrum stehen Glücksphasen und katastrophenartige Konflikte in der einzigartigen Lebensbeziehung zwischen den Protagonisten Jasper Zalp und Klara Weydenlauff.
Die Sprache wechselt zwischen poetischem Pathos, banalem Alltagsjargon, literarischen Anklängen, nüchternem Berichten und Protokollnotizen.
Die Grundfigur des Erzählens wird bestimmt durch Analyse und Spiegelung der unverlorenen erinnerten Zeit und Suche nach Vergewisserung der Gegenwart.
Man kann Zilpzalp streckenweise als verstörten Entwicklungsroman lesen, als in die Moderne verirrte „Confessiones“ oder „Ode an Klara“, als egozentrisches Echolotbuch eines Zeitzeugen der letzten siebzig Jahre, man kann ihn anderen dissonanten Biographien dieses Jahrzehnts zuordnen.
Man mag sich fragen, ob ein Buch IV überhaupt vorstellbar wäre mit einer Harmonisierung der brüchigen Welt.
Leseprobe: Ein Zilpzalp im Weidenlaub
Zum Autor: Kansbar Wyderle
mehr Artikel von Kansbar Wyderle auf dem vive!blog
- Berichtreihe, wie und mit welchen Hürden der Autor das Buch geschrieben hat. [13] vom 04.06.2010
- O weh! Montage! Eindrücke vom Zilpzalp vom 18.05.2010
- Berichtreihe, wie und mit welchen Hürden der Autor das Buch geschrieben hat. [12] vom 13.05.2010
- Berichtreihe, wie und mit welchen Hürden der Autor das Buch geschrieben hat. [11] vom 30.04.2010
- Berichtreihe, wie und mit welchen Hürden der Autor das Buch geschrieben hat [10] vom 16.04.2010


Deine Meinung?