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Leseprobe [Good Morning Dornröschen]

von Daniela Kögler 25 März 2010 11 Comments
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Leseprobe [Good Morning Dornröschen]

… Meine Wahl fällt auf München. Ich liebe diese Stadt. Und
außerdem ist das Bayernticket einfach günstig. Bei den Bahnpreisen
hätte ich eigentlich auch in eine andere Stadt fliegen können, aber es
muss jetzt alles sehr schnell gehen.

Ich darf einfach keine Zeit mehr verlieren. Meinen Eltern schreibe
ich noch kurz eine E-Mail: „Sorry, ihr Lieben. Ich hau ab, bin weg – raus –
brauche Luft zum Atmen.“ Meine Schwester setze ich einfach „cc“.

@Carola: „mit ganz vielen Schmatzern“,
„HDL“, „werde an dich denken“ und „:-)“.

Meine Wohnung gebe ich zur „Benutzung“ frei. Meine Family hat
ja noch einen Schlüssel. Ich packe ein paar Sachen und eile davon.
Mit dem Zug nach München. Mein Auto habe ich bei den hohen
Benzinpreisen einfach in der Garage gelassen. Ich schreibe noch einer
Freundin von mir, sie soll sich keine Sorgen machen. Der Rest wird schon
irgendwie informiert. Keine einzige Antwort habe ich abgewartet, mein
Handy sofort ausgeschaltet – und ab zum Bahnhof.


Daniela Kögler

Good Morning Dornröschen

Dies ist ein modernes Märchen! Es beginnt nicht mit: "Es war einmal…" und endet nicht mit: "…und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende". Lustig, skurril, direkt – dramatisch!
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Als ich im Zug sitze und plötzlich verdonnert bin nachzudenken,
durchströmten mich weder Zweifel noch Ängste. Dass ich ohne
meine Arbeit zu kündigen quasi verschollen bin, ist mir auch
total egal. Wo ist mein Verantwortungsbewusstsein plötzlich
hin? Bin ich überhaupt noch zurechnungsfähig? Zum Glück bin ich
nicht mit dem Auto unterwegs!

Meinen iPod habe ich mitgenommen. Die Akkus werden in ca.
vier Stunden leer sein – danach wird das Ding nutzlos, weil ich
keinen Mac zum Aufladen im Gepäck habe. Aber auch das juckt
mich in diesem Moment nicht. Ich denke nicht daran, was morgen
sein wird. Nein, ich denke ja nicht einmal an die musiklose Zeit in
vier Stunden.

Wie konnte ich nur so schnell mein Pflichtbewusstsein abstreifen?
Es wurde mir genommen!
Ja genau! Oder noch besser:
Es wurde zerstört – durch alle negativen und gestressten Menschen.
DIE haben mir jegliches Bewusstsein für Pflichten genommen.
DIE! Nicht ich! Ich bin ja nur Opfer meiner Umstände.

Die Fahrt zieht dahin und ich mache mir keinerlei Gedanken,
was ich eigentlich tun will. Vielleicht, weil ich es sowieso nicht
weiß. Unnötige Gedanken habe ich satt. Und unnötige Fantasien
ebenso. Manchmal muss man hinfallen, um zu merken, dass man
die ganze Zeit schon auf einem sehr steinigen Weg unterwegs
war. Füße halten schließlich einiges aus. Die eigene Schmerzgrenze
wird dabei immer mehr ausgeweitet…

° ° °

… Die Unterhaltung endet ein wenig abrupt, aber mittlerweile hat
sich eine kleine Schlange an der Kasse gebildet. Somit muss ich gehen,
obwohl ich doch noch so viele Fragen gehabt hätte. Ich kann nicht
mehr länger warten. Daher suche ich mir die nächste freie Bank und
beginne, die Zeitschrift aufzublättern. Ich habe nur eine leise
Vermutung. Mein Herz schlägt schneller und meine Beine fan-
gen an zu zittern. Meine Hände sind plötzlich eiskalt. Dann sehe ich
es auch schon. Gleich am Anfang ist ein Bild von Hannes abgebildet.

Sein Lächeln wirkt nachdenklich, unschlüssig, aber trotzdem
stark und männlich. Mein Herz hüpft bei seinem Anblick. Schnell
schlage ich die Zeitschrift wieder zu. Ich schaue bewusst geradeaus
und versuche, einen klaren Gedanken zu fassen. Aber ich kann nicht.
Ich will nur noch lesen. Lesen, wie es Hannes geht und wissen, wie
seine Gefühle aussehen – wie seine Gefühle mir gegenüber aussehen.
Also nehme ich all meine Kraft zusammen und blättere tapfer wieder
die Seite von eben auf. Das Foto blende ich diesmal aus, denn ich will
mich nur auf den Text konzentrieren. In seine Gefühle eindringen
und wissen, wie es ihm geht. Langsam beginne ich, Satz für Satz in
mich aufzusaugen:


Good Morning Dornröschen!
Aus dem Schmerz hast du mich wach geküsst.
Mit deiner Liebe meine Wunden geheilt.
Deine Sanftmut hat mich wachsen lassen –
und mit deiner Leine haben wir uns beide abgeseilt.

Deine Kraft und Leidenschaft
haben meiner Seele wahre Wunder beigebracht.
Für dich definier’ ich meine Liebe neu.
Ohne, dass ich es auch nur eine Sekunde lang bereu.

Verdien’ ich deine Güte denn?
Bin ich es wert, dir zu gehören?
Sind meine Gefühle ebenbürtig?
Zu deinem unendlich großen Geiste.

Wie soll ich da noch Worte finden,
für eine Erscheinung schön und sanft.
Du versöhnst den Himmel und die Erde –
Sonne, Mond und Sternenglanz.

Deine Leidenschaft lässt mich erglühen,
so hell, so nah, so voller Pracht.
Einer deiner Funken allein schon hat die Kraft
die Wüste zu erblühen.

So sei dir eines stets bewusst:
Mit deiner so unendlich großen Macht.
kannst du verzaubern, was du magst.
Ohne vorher darüber nachgedacht.

Wenn sich deine blauen Augen
in meinen spiegeln, entstehen Funken.
Aus diesen Funken wird ein Feuer,
das verbrennt den ganzen Schmerz.

Ich weiß – du wirst noch großes leisten –
und geliebt sein von der ganzen Welt.
Mir ist’s, als kenn’ ich dich schon immer.
Deine Seele jedoch hat gesprochen
und erneut mein Herz gebrochen


Daniela Kögler

Good Morning Dornröschen

Dies ist ein modernes Märchen! Es beginnt nicht mit: "Es war einmal…" und endet nicht mit: "…und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende". Lustig, skurril, direkt – dramatisch!
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