Berichtreihe, wie und mit welchen Hürden der Autor das Buch geschrieben hat. [8]
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Tags: Bücher, Kansbar Wyderle, Leben, Lyrik, Philosophie.
Folge 8
Ich sprach vom Verrat des Schriftstellers, vom Fluch der Opfer. Am stärksten verflucht er wohl sich selbst für diese Prostitution. Und zwar in Hinsicht auf seine eigene scheinbare Bloßstellung in der Öffentlichkeit. Mit sich selbst ist er zwar völlig im Reinen nach der kalten Distanzierung – wie von anderen so von sich selbst im Verlauf des Schreibprozesses.
Aber nach Abschluss seiner Arbeit würde er gern zu Hause bleiben.
Er fürchtet, dass man das Buch, den Erzähler dieses Buches mit ihm, dem Autor, verwechselt.
Schon das Herstellen dieser Berichtreihe geniert ihn. Wem soll er hier sich, Teile von sich, preisgeben? Ich, der ich mich hier an die Blog-Leser wende, bin doch ich. Ich bin nicht der im Buch Erzählte oder der im Buch Erzählende.
Selbstaussagen von Schriftstellern sind immer suspekt. Sie geraten gern eitel oder beschämt. Beurteilungen, Einschätzungen des eigenen Tuns, womöglich Interpretationen des Geschriebenen sind durch und durch fragwürdig. Ich denke, da pflichten mir auch gestandene Schriftsteller bei.
An die Öffentlichkeit gezerrt, befragt, interviewt zu werden, am Pult zu stehen zum Thema „Ich selbst“, das ist mir peinlich. Da wäre ich als Autor wie Pynchon oder Traven gern unerreichbar.
Ein Buch – ja. Gelesen werden – ja. Dafür redend auftreten und werben – nein. Stumm kleine Preise annehmen – ja. Für ein Preisgeld reisen und Bücher echter Schriftsteller kaufen, mehr noch als vorher, an einem südlichen Seeufer gesponsert gut leben und weiter schreiben – ja.
Ich habe Freude am Schreiben, Freude am Buchanbieten, Freude am Gelesenwerden. Die Freude reicht.
Ein Rollenproblem, ich erinnere mich natürlich, gab es bereits in einem vorigen Leben – als „Schulchef“. Ich stand in der kommunalen Öffentlichkeit, hatte Amt, Dienststelle und Personal zu vertreten. Ich war verankert in der Berufsverpflichtung, Ich nahm den Auftrag trotz ironischer Distanz absolut ernst, mochte den Umgang mit Kindern, Jugendlichen, mit Kollegium, Kommune und Ministerium. Ich war im Einklang mit meiner Stimme in der Öffentlichkeit, im Diskurs über Pädagogik, Bildung, Leistung, Sozialisation, Integration.
In einem programmatischen Teilkapitel des Romans, des so genannten Lebenswerks, wird der Komplex Schule auf eine kleine Bühne gestellt mit Programmfähnchen, Konfliktbrüchen, mit Blick auf komplizierte Vermengung der privaten und öffentlichen Rollen.
Auch dies eine Form schriftstellerischen Benutzens.
Heute als Schriftsteller möchte ich jede Aufgabe meiden, die Zuständigkeit, Repräsentanzpflicht, Bühnenagieren verlangt.
Ich möchte schreiben, nicht ins Mikrofon sprechen, in der verbleibenden Zeit mit den verbleibenden Kräften.
Zilpzalp im Weidenlaub I - Ein Lebensroman
Ein unglaublicher Lebensroman von Kansbar Wyderle. 70 Jahre eines bewegten Lebens. Teils poetisch, philosophisch, berichtend, analysierend und äußerst informativ geschrieben.weiter lesen »
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