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Kansbar Wyderle, Bericht [6]

von Kansbar Wyderle 22 Januar 2010 One Comment
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Kansbar Wyderle

Berichtreihe, wie und mit welchen Hürden der Autor das Buch geschrieben hat.

Folge 6 ( erst Folge 5 lesen?)

Eine moralische Fragwürdigkeit muss für den Schriftsteller auch die Gestaltung des Bösen sein. (Eine krankhaft lustvolle Beschreibung von Leid und Gewalt ist für mich nicht Kunst.)

Das Nennen von Krebsgeschwür, Verbrennungstod, Tierquälerei aber ist unabdingbar in Texten zur Welt, in der wir leben.

Auf den über tausend hier in Rede stehenden Seiten wird grauenhaft Böses auf der Straße und in den Köpfen – nur angedeutet oder zitiert. Darauf hat mich ein Leser aufmerksam gemacht. Ich habe als Kansbar Wyderle tatsächlich kein Interesse an einer Haarmann-Biografie. Ich habe als Kansbar Wyderle nicht die Kraft zur Berührung eines Leprakranken wie Jesus. Es gibt keine Sucht nach Töten und Quälen und Übermachtausüben in mir, jedenfalls nicht bewusst. So können auch meine Protagonisten keine Sadisten, Menschenschinder oder Lustmörder sein. Meine Protagonisten können nicht Drogensüchtige sein, die an der eigenen Spritze verrecken.

Das Böse muss ich benennen können. Die viehische Rohheit im KZ, das brutale Hinmorden im Krieg. Auch die rücksichtslose egoistische Verletzung nahe stehender Menschen.

Unwürdiges neben friedvollem Sterben, schwarze Depressionen, Selbsttötung und die Verstörung der Zurückbleibenden sind Themen im Zilpzalproman.
(Dass Tötungsraserei und Gossentote darstellbar sind in unvorstellbarer Genauigkeit ohne Voyeurismus, beweist übrigens Wallace in Infinit Jest. Dafür bewundere ich ihn.)

In summa: Das Entsetzen angesichts der Selbstzerstörung der Welt durch den Menschen lähmt auch den Erzähler der Zilpzalpgeschichte, der Autor lenkt aber seinen Blick auf die Schönheit in Gesichtern und Landschaften, auf die Hoffnungen in Herz und Hirn, die Lebensfreude vor Sonnenuntergang,

Weniger Ekel und Grauen verdüstern den Grundton des Romans, – Schmerz und Trauer, entspringend der Psyche des Protagonisten, erzeugen einen melancholischen Klang.

Zilpzalp verzählt im Weidenlaub
Kansbar Wyderle

Zilpzalp im Weidenlaub I - Ein Lebensroman

Ein unglaublicher Lebensroman von Kansbar Wyderle. 70 Jahre eines bewegten Lebens. Teils poetisch, philosophisch, berichtend, analysierend und äußerst informativ geschrieben.
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